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Gottesdienste

2018


September

23.09 - 09:00 - Pfn. Becker

30.09 - 09:00 - Frau Schulz  


Oktober

07.10 - 09:00 - Frau Szanto

14.10 - 14:00 - Pfn. Feuerstake 
Erntedankgottesdienst

21.10 - 09:00 - Pfn. Feuerstake

31.10 - 19:30 - Pfn. Feuerstake und Pfr. Bendler Reformations- gottesdienst in Wallertheim mit Armsheim 


November

04.11 - 09:00 - Frau Harth

Im Jahr 2014

feierte die ev. Kirchegemeinde Gau-Weinheim das

150 Jährige Jubiläum
ihres Kirchengebäudes

Im Rahmen der Feier zum 150 Jährigen Jubiläum wurde die ev. Kirche Gau-Weinheim von einem professionellen Lichttechniker in Szene gesetzt.Im Rahmen der Feier zum 150 Jährigen Jubiläum wurde die ev. Kirche Gau-Weinheim von einem professionellen Lichttechniker in Szene gesetzt.

Dankbarkeit und Orientierung

Die Evang. Kirchengemeinde Gau-Weinheim feiert Entedank und 150-jähriges Jubiläum der Kirche.

Zeitgleich mit dem Erntedankfest feierte die evangelische Kirchengemeinde in Gau-Weinheim das 150-jährige Jubiläum ihrer Kirche, die im Jahr 1864 ihrer Bestimmung übergeben worden ist.

Seitdem haben sich immer wieder Menschen aufgemacht zu diesem Gotteshaus, um hier Gott die Ehre zu geben und sich vom Heiligen Geist auf den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit locken zu lassen, blickte Pfarrer Ulrich Weisgerber in seiner Predigt zurück. In einem Gotteshaus dürften Fragen nach der Lebensorientierung ebenso blühen wie die Dankbarkeit und die Horizonterweiterung, so der Pfarrer weiter.
Er berichtete aber auch von einer Besonderheit dieser kleinen Kirche, mitten in Rheinhessen, die am 17.Oktober 1864 eingeweiht werden konnte: sie wurde gebaut nach Plänen, die auch der Fünften Synagoge von Oppenheim zugrunde lagen, die zwei Monate zuvor, im August 1864 eingeweiht worden war. (Die Synagoge stand bis zum 10. November 1938 und wurde von den Nationalsozialisten verwüstet und dem Erdboden gleichgemacht.)

Bei der Kirche in Gau-Weinheim handelt es sich somit um einen architektonischen Zwilling, „eine Sicherungskopie“, wie der Oppenheimer Architekt Herbert Hamann, der diese aufsehenerregende Entdeckung machte, auch gerne sagt. Die Gau-Weinheimer Kirche zeigt in ihrer Bauweise den Besuchern heute, in welchem Rahmen die jüdische Gemeinde in Oppenheim ihren Synagogengottesdienst feierte.

Auch die große Ähnlichkeit der Liturgie machte Pfarrer Weisgerber den Gottesdienstbesuchern bewusst: „Würde man aus einem evangelischen Gottesdienst, insbesondere des reformierten Typs, wie er hier in Gau-Weinheim, Tradition ist, alles ‘rausstreichen, was mit dem Judentum gemeinsam ist oder sogar aus ihm stammt, es bliebe nicht allzu viel.“
Die evangelische Kirche in Gau-Weinheim hält so in vielerlei Hinsicht die Erinnerung wach an eine Synagoge aus dem 19. Jahrhundert, die man damals auch oft als ‚Judenkirche‘ bezeichnete.

„Das ist ein Vermächtnis und ein Auftrag für unsere Kirchengemeinde. Das haben wir uns bewusst zu machen, und dahinter können wir nicht mehr zurück“, schlussfolgerte Pfarrer Weisgerber. Es bedeute, aufzustehen gegen jeglichen Antisemitismus, wie gut auch immer er sich tarnt, und sich an die gemeinsamen Wurzeln zu erinnern.

Der Präses des evangelischen Dekanates Wöllstein, Herbert Emrich, erinnerte in seiner Ansprache im Anschluss an den Gottesdienst an die ärmlichen Verhältnisse in der Provinz Rheinhessen vor 150 Jahren und fragte sich, was die Menschen damals wohl bewogen haben muss, unter solch schwierigen Lebensbedingungen den Bau dieser Kirche zu wagen. Gerade am Erntedankfest gelte es daher auch, Dank zu sagen, dass das Kirchengebäude die vielen Jahre ohne nennenswerten Schaden überstanden hat. Auch wenn Kritiker immer wieder leere Kirchen und hohe Unterhaltungskosten ins Feld führten, machte der Präses deutlich, dass die ureigene Bestimmung von Kirchen darin liege, sich hier zu versammeln, um Gottes Wort zu hören und Gemeinschaft zu erleben. Er werde sich in seinem Wirkungskreis dafür einsetzen, dass die Kirchen – im wahrsten Sinn des Wortes – im Dorf bleiben. Emrich machte klar: „Gott braucht unsere Kirche sicherlich nicht, wir Christen brauchen sie aber, denn es sind Orte, die Menschen in ihrer jeweiligen Zeit gebaut haben, um ihrer Hoffnung, Dankbarkeit und Orientierung einen Ort zu geben, und so muss es bleiben“.

(Text: Luise Botler)

Im Rahmen der Feier zum 150 Jährigen Jubiläum wurde die ev. Kirche Gau-Weinheim von einem professionellen Lichttechniker in Szene gesetzt.Im Rahmen der Feier zum 150 Jährigen Jubiläum wurde die ev. Kirche Gau-Weinheim von einem professionellen Lichttechniker in Szene gesetzt.

Eine Besonderheit unter den Veranstaltungen zum 150 Jährigen Jubiläum bildete der Vortrag von Architekturprofessor Heribert Hamann, der herausfand, dass es sich bei der Gau-Weinheimer Kirche um einen Zwilling der 5. Oppenheimer Synagoge handelt, welche in der Progromnacht niedergebrannt wurde.


 

Der unbekannte Zwilling

Evangelische Kirche Gau-Weinheim ist architektonisch baugleich mit zerstörter Oppenheimer Synagoge.

Dr. Ulrich Oelschläger (Präses der EKHN-Synode), Dekanin Monika Reubold, Prof. Heribert Hamann, Pfarrer Ulrich Weisgerber (von links)

Als Martin Newman die evangelische Kirche in Gau-Weinheim besuchte, schloss er die Augen, befühlte Mauern, Wände und Bänke und sagte: „Ja, es fühlt sich so an und es riecht auch so“.

Der 89-Jährige, der heute in Kalifornien lebt, erinnerte sich auch an seine Bar-Mitzwa als „Martin Neumann“ im August 1938 in der fünften Oppenheimer Synagoge, die drei Monate später in der Pogromnacht geschändet und niedergebrannt wurde. 
Der Familie Neumann gelang als letzten Juden von Oppenheim 1941 noch die Emigration nach Amerika.

Ein bewegender Moment und eine weitere Bestätigung für Architekt Heribert Hamann aus Oppenheim. Der Professor für Architektur an der Hochschule Mainz hat in jahrelanger akribischer Recherche herausgefunden, dass die im August 1864 eingeweihte fünfte Oppenheimer Synagoge in der zeitgleich gebauten Kirche in Gau-Weinheim einen architektonischen Zwilling, sozusagen eine „Sicherungskopie“ des zerstörten jüdischen Gotteshauses, hat.
Einem Krimi ähnlich war seine Suche nach Details, Plänen, Fotos und Augenzeugenberichten. Einige Fährten liefen ins Nichts, aber „Kommissar Zufall“ sorgte für entscheidende Wendungen. So spielten die Nachfahren des auch für Gau-Weinheim verantwortlichen Baumeisters Herrmann Geyger Prof. Hamann den silbernen Kidduschbecher der Synagoge in die Hände.

Hamanns Vortrag in der Evangelischen Kirche in Gau-Weinheim sorgte daher für eine kleine Sensation. Lange wurde das Geheimnis mit dem Pfarrer der Gemeinde, Ulrich Weisgerber, gehütet, nun wurde es zum 150-jährigen Bestehen des evangelischen Gotteshauses gelüftet.

Besonders im 19. Jahrhundert sprach man - wenn auch fälschlicherweise - von „Judenkirchen“. Das waren „Häuser des Herrn, in dem seine Zehn Gebote gehört, gelesen und bedacht werden, die Psalmen, die Geschichten von Mose, Elia und König David gehört werden; in denen die Worte der Propheten erklingen, in denen gesungen, die Orgel gespielt und gebetet wird - Teilen von christlichen Gottesdiensten fast zum Verwechseln ähnlich“, so Pfarrer Ulrich Weisgerber.

Auch wenn das nationalsozialistische Regime ganze Arbeit bei der Zerstörung von Synagogen und Plänen geleistet hat, ist es Professor Hamann gelungen, auf vielen Nebenwegen die Pläne der Oppenheimer Synagoge, auf deren Grundstück heute ein Privathaus steht, zu rekonstruieren und den Besuchern des Vortrags in der Gau-Weinheimer Kirche mit beeindruckenden Bildern und Computersimulationen näherzubringen.
Eine aufwendige Dachkonstruktion, die es ermöglicht, nicht durch Säulen unterstützt werden zu müssen, Holzarbeiten wie Bänke und Treppengeländer, Emporen, Rosenfenster in der Eingangsfassade, Orgel: all das macht die Gau-Weinheimer Kirche zum architektonischen Zwilling der verschwundenen, zerstörten Synagoge in Oppenheim.

Für den historisch interessierten Architekten Hamann geht seine bedeutende Entdeckung weit über Pläne und Rekonstruktion hinaus. Er will nicht nur zeigen, dass es auch damals ein geschwisterliches Nebeneinander von Christen und Juden gab. Er möchte vor allem die Erinnerung lebendig halten. Dass Überreste besonders von Synagogen aus dem 19. Jahrhundert noch in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einfach abgerissen wurden, bedauert er zutiefst. 

(Text: Luise Botler)